Anja: Konsequent sein

Immer mal wieder hat man als Hundetrainer Kunden, oder als Hundehalter einfach freundschaftliche Gespräche, wo der oder die Gegenüber den Satz „Ich muss wohl einfach konsequenter sein“ voller Selbsterkenntnis und einem Seufzer äußert. Da wiederholt ein „Hier“ oder „Sitz“ nicht wie erwünscht ausgeführt wurde. Und nicht selten seufzt man selbst in sich hinein und bestätigt die Aussage mit einem nickendem „Ja“ in der Hoffnung, dass es nicht nur eine kurze Erkenntnis handelte sondern einen wirklichen Wandel nach sich bringt… und in der nächsten Hundeschulstunde oder der nächsten Begegnung sieht man dann voller schrecken, dass wirklich ein neuer Wind weht, aber nicht der erhoffte!
Denn Konsequenz ist ein Wort mit vielen Facetten.

Plötzlich wird nach einem freundlichem „Sitz“ und einem sehr lauten „Sitz“ der Hintern des
Hundes nach unten gedrückt, es wird nahes „bei Fuß“ laufen gefordert, obwohl der Hund vorher, ohne zu ziehen, in einem weiteren Radius gut gelaufen ist, es werden Befehle abgefragt in Situationen wo der Hund vorher nie angesprochen wurde und bei nicht Reaktion, diese Befehle mit allen Mitteln durchgesetzt, kurz um: Man ist jetzt konsequent mit dem Hund, wenn ein Befehl gegeben wurde wird er auch durchgesetzt, Punkt!
Wenn einem das als Hundetrainer passiert, wird man auf dem oben genannten Satz, nie wieder so Gedankenlos antworten, man entschuldigt sich innerlich bei dem betroffenen Hund und nimmt den Besitzer zur Seite um ihm einige Punkte zu erklären:
Konsequenz heißt nicht, einen Befehl zu geben und den mit aller Macht und Druck durchzusetzen!
Das hat auch wenig Sinn.
Am oben genannten Beispiel erklärt: Der Hund führt das Signal „Sitz“ nicht aus. Ohne zu beachten ob der Hund das Kommando wirklich schon in vorhandener Situation und Ablenkungsgrad verinnerlicht hat, wird der Druck erhöht, mit härterer Stimme wird das Signal wiederholt, der Hund, der vorher schon nicht wusste was gemeint ist, wird es jetzt auch nicht wissen. Möglich ist das er, verunsichert durch den neuen Ton vom Halter, versucht die Situation zu entschärfen, durch Beschwichtigungsgesten (Maulwinkel des Gegenübers lecken wollen, wegdrehen, etc.) was mitunter vom Halters als frech interpretiert wird. Eine Teufelssspirale des Stresses und des Unmuts die sich immer weiter dreht!
Wenn sich Hund und Halter nicht gegenseitig „hochspielen“ kann es gut sein,
dass sich der Hund setzt, genauso wie es gut sein kann, dass er sich auf das Hintern runter drücken setzt, je häufiger der Halter das dann mach umso schneller wird sich so mancher Hund auch setzten, hat er also „Sitz“ gelernt?
Jein.
Der Druck durch den sich drüber beugenden Menschen und die schlechte Stimmung verschwindet sobald der Hund sich setzt, etwas unangenehmes wird also entfernt, der Hund fühlt sich besser, er wird sich also immer schneller in dieses Verhalten retten. Wenn man genau hinsieht wird man bei diesen Hunden sehen, dass sie in vielen Situationen
wo der Halter ähnlich ungehalten ist, sich hinsetzen, sie haben nicht wirklich „Sitz“ gelernt,
sondern was sie tun müssen um ihren Halter zu beschwichtigen. Dadurch dass das akustische Signal „Sitz“ auch immer in der Druckphase gesagt wird, verknüpft sich die Emotion, die der Hund in diesem Moment hat, auch mit dem Signal, für den Hund also eine negative Emotion.
Sobald der Hund in einer anderen für ihn unangenehmen Situation ist, wird er also etwas was für ihn noch mehr unangenehmes dazu bringt, nicht mehr tun wollen, der Halter muss den Druck erhöhen, das Gefühl beim „Sitz“ wird immer negativer für den Hund… auch hier wieder eine Spirale…
Dieses Beispiel lässt sich gut auf alle Signale übertragen, die der Mensch im Zweifel durchsetzen kann, indem er den Hund körperlich manipuliert.
Diese Art Konsequenz führt nicht zu einem umsetzen von Signalen mit Freude und Eifer!

Warum also konsequenter sein? Weil nicht diese Art der Kosequens gemeint war!
Konsequent sein im Training bedeutet, sich selbst zu kontrollieren dem Hund immer das gleiche Signal zu senden, damit dieser die Chance hat, überhaupt zu tun was wir wollen. Es bedeutet, die Ablenkung langsam zu steigern und gezielt zu trainieren.
Konsequent sein bedeutet: Mit sich und seiner Methode dem Hund etwas beizubringen
konsequent zu sein, damit wird man verlässlich, ein sicherer Anker.

25. Aug 2016
Anja Meier